In einer Zeit, die von endlosen Kriegen, zunehmender Militarisierung, grenzüberschreitender bewaffneter Gewalt und der kapitalistischen Zerstörung ökologischer Lebensräume geprägt ist, ist die Frage, wie Repair und Wiederherstellung gedacht und Wiedergutmachung praktiziert werden können, unausweichlich geworden.
Worlds in Repair bringt Künstler*innen, Kurator*innen und Wissenschaftler*innen im Rahmen einer Ausstellung, einem Symposium und in der Auseinandersetzung mit Kunstwerken zusammen, um zu erforschen, wie Kunst und kritisches Lernen in Berlin als Formen der Reparatur wirken können. Als kollektives Vorhaben setzt sich das Projekt mit den anhaltenden Auswirkungen von Gewalt, Vertreibung und der Zerstörung kulturellen Erbes auseinander und beschäftigt sich gleichzeitig mit ungewissen Zukunftsperspektiven. Es stellt die Reparatur als untrennbar von Gerechtigkeit in den Mittelpunkt und fordert Verantwortung gegenüber den Heimsuchungen und der Fortdauer kolonialer Geschichte(n) und Erinnerungen sowie gegenüber den ethischen, ökologischen und politischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ein. Gleichzeitig widersetzt sich das Projekt festgefahrenen Interpretationen und der Gewalt hierarchisierenden Wissens, wie sie politische und kulturelle Institutionen durchdringt, und öffnet so Raum für neue Wege, unsere Welt jenseits der Spaltungen politischer, sozialer und kultureller Polarisierung zu denken.
Die Arbeiten in der Ausstellung, die Beiträge des Symposiums sowie das Programm im öffentlichen Raum reflektieren und vertiefen die Schwerpunkte Repair, Reparation und Gerechtigkeit. Besondere Aufmerksamkeit liegt auf der Aufarbeitung kolonialer Gewalt, ihrer Erzählung, Erinnerung und ihrem Gedenken, ihren Folgen bis in die Gegenwart und der Notwendigkeit des gemeinsamen widerständigen Handelns. Das Programm ist un-disziplinär angelegt, der gleichberechtigte Austausch von Wissen und Erfahrung jenseits disziplinierender Ordnungen stehen im Vordergrund.
Mit:
Ayman Alazraq, Kerylos Aziz, Ariella Aïsha Azoulay, Memory Biwa, Debasish Borah, Marc Da Costa, Nikita Dhawan, Forensic Architecture und Forensis, Šejla Kamerić, Madeleine Kneissig, Ewa Majewska, Abdessamad El Montassir, Yara Mekawei, Ciraj Rassool, Elena Sinanina, Sonya Schönberger, Kamala Vasuki (Vasuki Jeyasankar).
Weitere Mitwirkende des Lenbachhauses und Kunstbaus München: Mona Feyrer, Lisa Kern; sowie des Provenance Lab der Leuphana Universität Lüneburg: Lynn Rother, Claudia Andratschke, Agustina Andreoletti, Nnenna Onuoha.
Das Programm findet in englischer Sprache statt.
Ausstellung
11.–21. Dezember 2026, Studio 1, Kunstquartier Bethanien
Die Ausstellung präsentiert eine Reihe neuer und bereits bestehender Arbeiten internationaler Künstler*innen und Kollektive, die miteinander in einem inhaltlichen Dialog stehen.
Die Soundkünstlerin Yara Mekawei zeigt eine neue Komposition und Installation, die sie gemeinsam mit dem Ägyptologen Kerylos Aziz entwickelt hat. Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Erbe und der Geschichte der altägyptischen Pharaonin Hatshepsut.
Marc Da Costa entwickelt eine neue Video-Arbeit zur visuellen Repräsentation westlich-imperialer archäologischer Grabungen im digitalen Kontext, und stellt die Frage nach dem Aussagewert der gemeinfrei zirkulierenden und verfügbaren Bilder (und ihre Bedeutung für Museen und Wissenschaft) unter dem unvermeidbaren Einfluss von Künstlicher Intelligenz.
In ihrer neuen Installation Sunset Blue, 2026 setzt sich die Künstlerin und Historikerin Memory Biwa mit dem Genozid während der deutschen Kolonialherrschaft in Namibia auseinander. Anhand dissonanter Fragmente des sogenannten Blue Book sowie damit verbundener mündlicher Überlieferungen und verkörperter Archive veranschaulicht sie den fortwährenden Kreislauf von Widerstandskraft und dem Ringen um Wiedergutmachende Gerechtigkeit.
Programm
11.12.2026
13:30 Uhr Debasish Borah, Is this the Museum of European Civilisation?, Lecture Performance
Ort: Sanchi-Gate vor dem Humboldt Forum, Schloßplatz, 10178 Berlin
16:30 – 20:00 Uhr Šejla Kamerić, AWAKE, Performative Installation
Ort: Mariannenplatz, vor dem Kunstquartier Bethanien
18:00 Uhr Eröffnung der Ausstellung
Ort: Studio 1, Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin
19:00 – 20:00 Uhr Performance Yara Mekawei und Kerylos Aziz
Ort: Studio 1, Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin
12.12.2026
11:00 – 12:00 Uhr Thematische Führung mit Kerylos Aziz, Egyptology, Archeological Sites in Egypt and Traces of Hatshepsut in Berlin
Ort: vor Dussmann, das KulturKaufhaus, Friedrichstraße 90, 10117 Berlin, Museumsinsel und vor dem Neuen Museum, Bodestraße 1-3, 10178 Berlin
Symposium, 12.12.2026
Ort: Kindl – Zentrum für Zeitgenössische Kunst, Am Sudhaus 3, 12053 Berlin
Einlass ab 14 Uhr, Beginn 14:30 Uhr mit einer Einführung
15:00 – 17:00 Uhr Panel Enlightenment, Colonial Plunder, the Return of Hatshepsut
Prof. Dr. Nikita Dhawan, Kerylos Aziz, Elena Sinanina, Yara Mekawei
17:15 – 18:00 Uhr Präsentation und Gespräch
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Mona Feyrer und Lisa Kern
Symposium, 13.12.2026
Ort: Kindl – Zentrum für Zeitgenössische Kunst, Am Sudhaus 3, 12053 Berlin
Einlass ab 9:30 Uhr, Beginn 10:00 Uhr
10:00 – 12:00 Uhr Panel Mythologies, Biographies, the Ghosts of Colonialism
Sonya Schönberger, Kamala Vasuki, Šejla Kamerić, Prof. Dr. Ewa Majewska
12:15 – 14:15 Uhr Panel
Colonialism, Architecture, Archive
Ayman Alazraq, Prof. Dr. Ciraj Rassool, Dr. Memory Biwa, Dr. Debasish Borah
15:00 – 17:00 Uhr Präsentation und Gespräch
Provenance Lab, Leuphana Universität Lüneburg
Agustina Andreoletti, Nnenna Onuoha, Prof. Dr. Lynn Rother, Dr. Claudia Andratschke
17:15 – 18:00 Uhr Filmscreening
Ariella Aïsha Azoulay, Palestine is there, where it had always been (2026)
18:00 – 19:45 Uhr Diskussion und Abschluss
Informationen und Öffnungszeiten
Installation AWAKE
11.12.2026: 16:30 – 20:00 Uhr
Ausstellung
11.12.2026: 18:00 – 20:00 Uhr
12.12.2026 – 21.12.2026: 10:00 – 18:00 Uhr
Kuratorische Führungen: 15.12. – 21.12.2026, täglich, 13:00 – 14:00 Uhr, ohne Anmeldung
Eintritt frei
Symposium
12.12.2026: 14:30 – 18:00 Uhr
13.12.2026: 10:00 – 19:45 Uhr
Tickets für Symposium, Führung Kerylos Aziz und Lecture Debasish Borah ab 2.11.2026
Zusätzliche Informationen
Adressen:
Studio 1, Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin
Kindl, Zentrum für Zeitgenössische Kunst (Maschinenhaus), Am Sudhaus 3, 12053 Berlin
Sanchi-Tor vor dem Humboldt Forum, Schloßplatz, 10178 Berlin
Treffpunkt der Führung: vor Dussmann, das KulturKaufhaus, Friedrichstraße 90, 10117 Berlin, Museumsinsel und vor dem Neuen Museum, Bodestraße 1-3, 10178 Berlin
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