Die 1941 in Prag geborene Künstlerin lebt in Düsseldorf und ist zugleich der Stadt Berlin eng verbunden. Hier war sie von 1992 bis 2010 Professorin an der Universität der Künste (UdK), wo sie den Teilstudiengang „Visual Culture Studies“ gründete.
Für das politisch ausgerichtete, unmittelbar auf die Gesellschaft bezogene Werk von Katharina Sieverding ist die Neue Nationalgalerie ein idealer Ort. Aus der offenen Glashalle können ihre monumentalen Bildmontagen in den Stadtraum hineinwirken.
Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden Arbeiten, die sich mit spezifisch deutscher Geschichte auseinandersetzen, Identitätsfragen aufwerfen oder auf weltpolitische Zusammenhänge Bezug nehmen.
Sieverdings künstlerisches Schaffen basiert auf dem engen Zusammenspiel von Raum, Bild und Text. Diese Verbindung lässt sich auf ihre Anfänge am Theater, im Bereich Bühnenbild, zurückführen, wo sie die Idee eines Gesamtkunstwerks erprobte.
Von 1967 bis 1972 studierte sie bei Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie. In diesen Jahren festigte sich ihre Überzeugung, dass Kunst gesellschaftlich und politisch wirksam sein kann. Katharina Sieverding erweiterte seither die Fotografie mit Elementen aus Performance, Body-Art, Experimentalfilm und Malerei zu einer interdisziplinären, multimedialen Praxis. Gemeinsam mit dem Künstler Klaus Mettig entwickelte sie seit Beginn der 1970er-Jahre charakteristische Verfahren wie Mehrfachbelichtung, Solarisation, Überlagerung, starke Farbkontraste und Bild-Text-Montagen. Ihre unverkennbare Bildsprache geht mit inhaltlicher Vielschichtigkeit, Transformationen und Interpretationsoffenheit einher.
Anhand von rund 40 großformatigen Werken zeichnet die Ausstellung die wichtigsten Phasen in Sieverdings Œuvre nach.
In Anlehnung an historische Präsentationsformen werden die Arbeiten teilweise ungerahmt in monumentaler Form gezeigt. Während ihre eindringlichen Selbstporträts gängige Geschlechterrollen hinterfragen, verhandeln Bildserien wie „Norad”, „Kontinentalkern” und die „Steigbilder“ existentielle Themen wie Krankheit und Heilung, Tod und Transformation sowie die atomare Bedrohung. Die seit 2010 entstandene kosmische Filmprojektion „Die Sonne um Mitternacht schauen“ richtet den Blick auf das Verhältnis von Mensch, Energie und planetaren Prozessen.
Gesellschaftlich-politische Themen verbinden sich in Sieverdings künstlerischen Stellungnahmen mit einer Kritik an medialen Bildern. Fakt und Fiktion, Maskieren und Demaskieren, Individuum und Masse fließen ineinander.
Wie auf einer offenen Bühne werden die politisch relevanten Werke in der Glashalle mit Bezug zum Außenraum und somit zur Gesellschaft präsentiert. So wird die aktuelle Dringlichkeit von Sieverdings Kunst unmittelbar erfahrbar.
Die Ausstellung bietet ein Panorama der Weltgeschichte von 1970 bis in die Gegenwart, das nachdenklich stimmt und zur Selbstreflexion anregt.
Kuratorisches Team
- Kuratiert von Uta Caspary und Joachim Jäger
- Assistenzkuratorin: Ricarda Bergmann
Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin
Zusätzliche Informationen
Öffnungszeiten:
- Dienstag - Sonntag: 10.00 - 18 Uhr
- Donnerstag: 10 -20 Uhr





