Die Uraufführung am Freitag, 13.01.2023 im Theater unterm Dach, Berlin wurde mit drei ausverkauften Vorstellungen gefeiert. Es folgten bis heute zahlreiche erfolgreiche Gastspiele in Berlin, Sachsen, Bayern und Brandenburg.
Wer kennt die erste deutsche Ministerin? Dr. Marie Torhorst (1888-1989) war von 1947 bis 1950 Volksbildungsministerin in Thüringen für die SED. Die erste weibliche Ministerin für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die ungewöhnliche Lebensgeschichte ihrer Urgroßtante in vier politischen Systemen erzählt jetzt die Schauspielerin Jule Torhorst. Ein spannendes Stück Geschichte, welches in die Gegenwart strahlt.
2026, Der Film „Vaterland“ unter der Regie von Paweł Pawlikowski erzählt die Reise von Thomas Mann aus dem Exil in das geteilte Deutschland der Nachkriegszeit. Thomas Mann, gespielt von Hanns Zischler wird hier von seiner Tochter, gespielt von Sandra Hüller, begleitet.
Durch die künstlerische Freiheit wird hier die Ehefrau Erika durch die Tochter ersetzt. Und die erste weibliche Ministerin für Volksbildung in Thüringen, Frau Dr. Marie Torhorst, wird durch einen sowjetischen General ersetzt.
1947. Frau Dr. Marie Torhorst wird auf Vorschlag der SED zum Minister für Volksbildung gewählt. Deutschlands erste weibliche Ministerin auf Landesebene - und dennoch bleibt sie in der Geschichtsschreibung der Nachwendezeit nahezu unerwähnt. Wird das historische Andenken, unser gesellschaftliches Gedächtnis, vorwiegend aus der westlichen Perspektive gepflegt?
Die Schauspielerin Jule Torhorst stößt bei ihren Recherchen zu Wende- und Nachwendezeiten auf die Biographie ihrer Ur-Großtante Dr. Marie Torhorst, und daraus ergeben sich unweigerlich viele Fragen. Wie unterscheidet sich Führung in Ost und West? Welche verschiedenen Arten von Emanzipation, in zwei unterschiedlichen Regierungs- und Wertesystemen, begegnen uns?
Wie kann Führung gelingen, wenn man Karriere, Privatleben und Familie unter einen Hut bringen muss? Und: Ist das, was wir in Europa derzeit erleben, der Showdown des patriarchalen Systems?
Gemeinsam mit der Regisseurin Angela Hundsdorfer und der polnischen Dramaturgin Elzbieta Bednarska begibt sie sich auf die Suche nach Biographien von Frauen aus Ost und West, nach Archetypen und Mythen von Frauen quer durch die Zeiten. Ihnen gibt Jule Torhorst eine Stimme und vereint sie zu einem Chor, dessen Macht größer ist als die der eigenen Biographie.
Eine persönliche Annäherung an eine der brennendsten Fragen unserer Gesellschaft.
"Das Männliche als Maß alles Menschlichen schleicht sich halt nur allmählich." (Barbara Sichtermann)
Mitwirkende
- Text und Spiel: Jule Torhorst
- Text und Regie: Angela Hundsdorfer
- Musik: Tammo Messow
- Bühnen- und Kostümbild: Jane Saks
- Puppenbau: Larissa Jenne
- Beratung: Elżbieta Bednarska
- Assistenz: Neïtah Janzing
Ein Abend mit Texten von den Torhorst-Frauen, aus dem Stasi-Unterlagen-Archiv, Ödön von Horváth, Alfred Döblin, Simone de Beauvoir, Christa Wolf und Hendrik Bolz.
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