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Fluchthilfe und Schicksale an der Berliner Mauer

»Freiheit kennt keine Mauern«, schrieb der 24-jährige Klaus-M. von Keussler voller Leidenschaft am 8. Januar 1964 in sein »Tunnel-Tagebuch«, nachdem DDR-Grenzer und/oder Angehörige der DDR-Staatssicherheit den 4. Tunnel (»Kohlenplatz-Tunnel«), an dem v. Keussler mitgegraben hat, sprengte. V. Keussler, 1944 an der Hand seiner Mutter und Schwester aus dem brennenden Königsberg/Ostpr. (heute: Kaliningrad) über Umwege nach Berlin geflüchtet, wuchs später im Rheinland auf.


Nach Ableistung des Wehrdienstes begann er das Studium der Rechtswissenschaften in Hamburg und setzte es in Berlin an der Freien Universität (FU) fort. Den Bau der Berliner Mauer 1961 erlebte v. Keussler hautnah mit.

Triebfeder seiner dann einsetzenden Fluchthilfe war nicht nur das Hilfeersuchen Ost-Berliner Kommilitonen und weiterer Fluchtwilliger, sondern auch und gerade der politische Widerstand und Protest gegen das DDR-Unrechtsregime. Mit seinem Freund Wolfgang Fuchs (1939-2001), der in den 1950er Jahren aus Jena in den Westen geflohen war, gelangen v. Keussler und weiteren Freunden spektakuläre Fluchthilfe-Aktionen (Mauerüberwindung mit Leitern, Gruppenflucht über den Todesstreifen, Tunnelbauten).


Die Fluchthelfer befanden sich in West-Berlin, der Hauptstadt der Spione, stets unter Beobachtung der Geheimdienste aus Ost und West (StaSi, Verfassungsschutz, CIA, Mossad, BND). Der 1966 gegen v. Keussler erlassene Haftbefehl des Ministeriums für Staatssicherheit wurde erst 1984 auf Betreiben des bekannten Ost-Berliner RA Wolfgang Vogel (teilweise) gegenstandslos.


In einem Vortrag mit anschließendem Gespräch berichtet v. Keussler von seinen Erfahrungen als Fluchthelfer. In seiner Zeitzeugenarbeit liegt es ihm sehr am Herzen, nachdrücklich in Erinnerung zu rufen, dass beim legendären »Tunnel 57« der 21-jährige Uffz. Egon Schultz, Lehrer in Rostock, bei einem Schusswechsel zwischen Fluchthelfern und DDR-Grenzern am 5. Oktober 1964 ums Leben kam.


Zum Thema Fluchthilfe verfasste v. Keussler zahlreiche Aufsätze und folgendes Buch: "Klaus-M. v. Keussler/Peter Schulenburg: Fluchthelfer – Die Gruppe um Wolfgang Fuchs."



Dieses Zeitzeugengespräch findet im Rahmen der Berlin Freedom Week statt.

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